„Beim CED kann ich Kraft tanken“
Bruder Gregor schildert seine Erlebnisse aus Belozem – ein Interview
Der Kapuzinerpater Christoph und sein Mitbruder Gregor betreuen seit 2006 die Armenküche „St. Anton“ in Belozem (Bulgarien), die Im Jahr 2001 ins Leben gerufen wurde. Dort werden werktags rund 80 Kinder, ältere Menschen und Kranke mit einer warmen Mahlzeit versorgt. Die CED-Stiftung, Christlicher Entwicklungsdienst (CED) unterstützt das Hilfsprojekt seit vor fünf Jahren jegliche Unterstützung für die Armenspeisung St. Anton weggefallen ist.
Mitte Oktober 2009 war Bruder Gregor anlässlich des „4-Kontinente-Essens“ zu Gast in München. Im Gespräch mit dem CED schildert er Erlebnisse aus seinem Alltag in Belozem und zeigt die aktuelle Situation der Armenküche auf.
Die Armenküche gibt es seit 2001. Was hat sich seitdem verändert?
Die ersten zwei Jahre konnten nur ältere Leute und Kranke versorgt werden. Seit 2002 bekommen auch die Kinder im Dorf eine warme Mahlzeit. 2004 fielen dann die Spenden durch die Caritas weg und der CED übernahm die Unterstützung. Abgesehen von der Armenspeisung entwickelt sich auch Schritt für Schritt ein soziales Netzwerk im Dorf, das es so vorher nicht gab.
Können Sie das näher erklären?
In Belozem ist es nicht üblich, dass sich Familien um ihre alten und kranken Angehörigen kümmern. Die Dorfbewohner würden nie auf die Idee kommen, einem kranken Menschen, der selbst nicht zum Essen kommen kann, eine warme Mahlzeit zu bringen. Das ändert sich nun langsam: mittlerweile gibt es zum Beispiel den 12-jährigen Viktor, der eine alte Frau mit Essen aus der Armenküche versorgt. Oder den 80-jährigen Kiro, der auf dem Fahrrad die Speisen für drei kranke Dorfbewohner mitnimmt.
Woher wissen die Leute von der Armenküche?
Ich mache aktiv Werbung. Vor kurzem habe ich zwei Tage lang im Rahmen des Dorffestes eine Straßentombola gemacht. Unser Blickfang war ein handgenähtes, fast lebensgroßes Kamel, in dem zwei Kinder durch die Straßen liefen. Außerdem gab es Bohnensuppe und eine Tombola für die Standbesucher. In einer Bastelecke konnten Kinder Windräder, Blumen und Figuren selber machen. Das hat Aufmerksamkeit erregt und unsere Arbeit in St. Anton bekannt gemacht.
Was machen Sie sonst noch mit den Kindern?
Eine Woche nach Weihnachten haben 30 Kinder und Jugendliche mit mir ein Weihnachtskonzert und Krippenspiel in der Kirche gestaltet. Außerdem organisiere ich jedes Jahr ein Sommerlager für Kinder aus armen Familien. Viele Kinder können zum ersten Mal in ihrem Leben eine Dusche benutzen. Für Kinder, die nicht ins Lager mit können, mache ich Bastelworkshops. All das holt sie aus ihrem oft sehr harten Alltag und bringt sie zum Lachen. Jedes Jahr im Herbst statte ich die Kinder mit Kleidung, Schuhen und Schulmaterial aus, damit sie die Schule besuchen können, denn Bildung ist sehr wichtig.
Wofür werden die CED-Gelder eingesetzt?
Durch die Gelder können wir nicht nur Kinder und hilfsbedürftige Menschen mit einer warmen Mahlzeit versorgen, sondern wir konnten auch Arbeitsplätze schaffen. Wir geben zwei Köchinnen Arbeit und beschäftigen eine arme Frau, die vier Kinder hat und auf dieses regelmäßige Einkommen angewiesen ist. Im letzten Winter konnten wir für zehn Familien Brennmaterial kaufen – das waren rund 150 Menschen die dadurch nicht frieren mussten.
Was können Spenden ganz konkret bewirken?
Mit einem Euro kann bereits ein warmes Essen bezahlt werden. Für 80 Euro bekommen alle Bedürftigen an einem Tag eine warme Mahlzeit. Mit 100 Euro kann eine Tonne Kohle finanziert werden. Das bedeutet, dass mit Wenig bereits Viel erreicht werden kann.
Was bedeutet für Sie der Besuch in München?
Hier in München beim CED und im Kontakt mit den Helfern und Spendern bekomme ich viel Kraft und Hoffnung. Der CED ist wie eine Tankstelle, ich kann meine Energiereserven auffüllen. Und ich spüre, dass ich mit den großen Sorgen und Nöten für die Menschen in Belozem nicht allein gelassen werde.
Das Interview führte Martina Seiler
